Sagen und Schwänke von Wilhelm Neuhaus
 
 

Der Ritter St. Georg

In Schenklengsfeld hat früher, wie die Urkunden bezeugen, eine Kapelle gestanden, die dem hl. Georg, dem Drachentöter, geweiht war. Über ihre Entstehung erzählt die Sage folgendes:

In grauer Vorzeit befand sich dort, wo heute das Dorf liegt, ein großer Wald. Etwa an der Stelle, wo jetzt die uralte Linde steht, war ein Teich. Darin lebte ein scheußlicher Drache, der die ganze Umgegend unsicher machte. Niemand konnte sich vor ihm schützen, und nur dadurch, dass man ihm täglich zwei Schafe gab, verhütete man großes Unheil. Als aber die Schafe des Landes verzehrt waren, forderte das Untier jeden tag einen Menschen.

Die unglücklichen Bewohner mußten auch diese forderung erfüllen; die Opfer wurden durch das Los bestimmt. Da traf das Los auch einmal die einzige Tochter des Burgherrn auf Schloß Landeck. Mit blutendem Herzen mußten sich die Eltern der schönen Jungfrau in das Unabwendbare fügen.
Als ihr Tag herangekommen war, begab sie sich an den bestimmten Ort, um den Drachen zu erwarten.

Nun wollte es ein gütiges Geschick, dass gerade der Ritter St. Georg des Weges kam. Als er das Mädchen sah, fragte er, was es hier wolle und warum es so traurig sei. Es erzählte ihm seine Not und sprach: "Gehe nur fort von hier, sonst wirst du auch vom Drachen gemordet." Er aber sagte:
"Sei nur getrost, Gott wird mir helfen, dich zuerretten und das Land von diesem Scheusal zu befreien." Bald kam auch der Drache angefahren. Es begann ein wilder Kampf, aber schließlich gelang es dem Ritter, dem Ungeheuer sein Schwert so tief in den gepanzerten Leib zu stoßen, dass es sein Leben lassen mußte.

Da nahm der heilige Georg die befreite Jungfrau zu sich auf sein Pferd und brachte sie auf die väterliche Burg. Hier wurden sie voller Freude empfangen, und der überglückliche Vater bat den Tapferen, zum Dank für seine Tat sein ganzes Besitztum und die Hand seiner Tochter anzunehmen. Aber der Ritter wehrte ab: "Was soll mir dein Gut, was soll mir dein schönes Töchterlein, denn ich muß sterben !" Und er zeigte ihm eine kleine Wunde an der Hand, die vom Giftzahn des Drachen herrührte. Dann sank er um und war tot.

Der Herr von Landeck aber ließ ihm zu Ehren ein Kirchlein bauen, das nun schon lämgst verschwunden ist. Ein Steinbild aber, das sich in ihm befand, ist noch vorhanden und am Hause des Gastwirts Geheb zu sehen. Es zeigt den Ritter hoch zu Ross, mit Schwert und Lanze bewaffnet, und hält die Erinnerung an seine tapfere, edle Tat in allen Herzen wach.

Quelle: "Sagen und Schwänke" von Wilh. Neuhaus, 3. Auflage, Seite 73

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Landecker Jungfrau

Am Landecker Berg wanderte eine weiße Jungfrau. Einst kam ein Mann hinauf, den sie bat, er möge am nächsten Tage zwischen 11 und 12 Uhr mittags wiederkommen, dann würde eine Schlange ihn dreimal küssen. Wenn er dies ohneZucken ruhig aushielte, so wäre sie erlöst, und er und sie würden sehr glücklich werden. Er solle aber auch die Blume mitbringen, die er vorhin gepflückt habe und noch am Hut trage.

Der Mann fasste sich ein Herz und kam am andern Tage zu der bestimmten Zeit. Und siehe, eine Schlange krochheran, die hatte einen goldenen Ring am Schwanze. Sie ringelte sich an ihm hinauf und küsste ihn. Zwei Küsse hielt der Mann herzhaft aus, aber beim dritten Kuss zuckte er schaudernd zusammen. Da glitt die Schlange an ihm hinab und stand wieder als weiße Jungfrau vor ihm. "Nun bin ich nicht erlöst von meinem Banne!" rief sie jammernd. Dann winkte sie dem Manne und schritt ihm voran durch eine Tür in den Berg. Zögernd folgte er ihr.

Im Berge lagen ganze Haufen kostbarer Schätze, aber ein schwarzer, grimmiger Hund bewachte sie. Die Jungfrau wies mit der Hand auf das funkelnde Gold und Silber und sagte: "Das wäre alles dein geworden, wenn du mich erlöst hättest!"

Da sprang der Hund auf und fuhr den Mann mit wütigem Bellen an. Aufs heftigste erschrocken, ließ dieser seinen Hut fallen und floh eilig zurück. "Vergiss das Beste nicht!" hörte er noch die Jungfrau rufen. Da schlug die Tür mit gewaltigem Krachen hinter ihm zu und ihm die ferse wund.

Der Mann ist später noch mehrmals auf den Berg hinaufgegangen, hat aber nie den Eingang wiederfinden können.

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Das gritzgraue Hänschen

Manche armen Seelen machen es zu arg. Sie treiben allerlei Allotria, lärmen des Nachts im Hause, dass niemand schlafen kann, und selbst am Tage ist man vor ihnen nicht sicher. Solch arme Seelen sind auch die gritzgrauen Hänschen, die es vielerorts in unserer Heimat gegeben hat.

Das gritzgraue Hänschen von Schenklengsfeld war gegenüber anderen ein harmloser Geselle. Morgens um 5:30 Uhr kam er aus dem Bähnerhölzchen, ging über ein Stück Rübenland und verschwand in einem Weizenfeld. Erst wenn der Weizen abgeerntet war, blieb es fort. Ein Schenklengsfelder Kind erzählte einmal von seiner Mutter, der das Hänschen begegnet war. Es hatte einen Gehrock an. Aber - es war harmlos und tat niemandem etwas zuleide.

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Die Glocken von Hilmes

Die Glocken von Hilmes läuten "Susanne Marie". Das ist so gekommen:
Als sie gegossen werden sollten, kaqm ein stolzes Fräulein von der Burg auf dem Landecker Berg herab und ging in die Glockengießer-Werkstatt. Es trug Silber und Gold im Gern (Schoß) und warf alles in die Glockenspeise. Dann ging es zur Burg zurück.

Als die Glocken fertig waren, läuteten sie: "Susanne-Marie, Susanne-Marie!" denn so hieß das schöne Mädchen und so läuten sie heute noch.

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