Historische Führung in Oberlengsfeld
 
 
 
 
 
 

Untreue Ehefrau wurde geköpft
Historische Führung in Oberlengsfeld

 

Zu einem historischen Rundgang hatten am vergangenen Freitag der Ortsbeirat des Schenklengsfelder Ortsteils Oberlengsfeld und Ortsvorsteher Thorsten Licht eingeladen.
Trotz des wechselhaften Wetters kamen über 30 Interessierte um 16 Uhr zum Treffpunkt am Dorfheim und schlossen sich der Führung an. Diese übernahm der 1. Vorsitzende des Heimatvereins Landeck, Karl Honikel, der in seiner ihm eigenen, unterhaltsamen, aber auch sehr informativen Weise, einige Geschichten vortrug.
Er hatte anhand von alten Flurkarten von 1706 einige historische Daten ermittelt und konnte den Teilnehmern unterhalb des Landecker Berges, im Ehrental, die Lage eines mittelalterlichen  Meierhofes zeigen.
Dieser Meierhof diente der täglichen Versorgung der Burgleute auf Landeck.
Erinnerungen an den Meierhof gibt es heute ebenso wenig wie von der Kirchhofsgasse, die von der Ortsmitte des Ortsteils in Richtung des ehemaligen Gerichtsplatzes verlaufen sein soll. Auch diese war bis 1706 in einem Ortskataster aufgeführt. Wenn diese Kirchhofsgasse wirklich existiert hat, so spekulierte Honikel, dann auch eventuell ein Friedhof und sogar eine kleine Kirche oder Kapelle.
Seine Vermutung: Auf diesem Friedhof wurden nicht nur die Oberlengsfelder, sondern auch die Verstorbenen von der Burg Landeck bestattet. Wahrscheinlich bis ins 16. oder 17. Jahrhundert.
Der vorgenannte Gerichtsplatz soll sich am Ende der heutigen Nordstrasse befunden haben. Dieses Gelände nannte man früher „Beim Gericht“ und das Gelände oberhalb (heute Standort des „tegut“ – Marktes) „Überm Gericht“.
Weil der alte Galgen am Gerichtsplatz nicht mehr standfest war, erneuerte man ihn im Jahre 1688. Es ist überliefert, dass die zu Tode durch den Strang verurteilten Straftäter, so aufgehängt wurden, dass ihr letzter Blick auf die Burg Landeck fiel.
Zur Strafvollstreckung wurde jedoch nicht nur der Galgen benutzt. Es fanden auch Enthauptungen statt. Alle Hinrichtungen wurden von professionellen Henkern durchgeführt, die eigens für diese Tätigkeit aus Vacha, Bad Hersfeld und dem Umland anreisten.
Noch um etwa 1700 wurde am Gerichtsplatz in Oberlengsfeld eine Ehebrecherin enthauptet.
An diesem ehemaligen Gerichtsplatz endete der historische Rundgang mit der Geschichte von einem Mädchen, das von der Konfirmation ausgeschlossen wurde, weil die Mutter eine Ehebrecherin war. Später musste sich die Mutter in aller Öffentlichkeit zur Tat bekennen und Buße tun.
In Gespräche, über das eben gehörte, vertieft, ging es gegen 18 Uhr zurück zum Dorfheim. Dort wurde bei einem kleinen Imbiss und erfrischenden Getränken weiter diskutiert und Karl Honikel präsentierte den interessierten Bürgern Karten, Pläne und Bilder von den zuvor aufgesuchten, historischen Plätzen.