Die ersten 10 Jahre der Hersfelder Kreisbahn
 
 
 

 

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Die ersten 10 Jahre der Kreisbahn Hersfeld - Heimboldshausen

Unbeschadet mancher geringer Anfangsschwierigkeiten hatte die Bahn einen guten Start. So berichtete die HZ im Dezember 1912: "Seit Eröffnung unserer Kreisbahn ist der Verkehr im Landecker Amt in ein neues Stadium getreten und frisches, reges Leben pulsiert in unserer Gegend, die so lange dem Bahnverkehr entrückt war. Man scheint die lang entbehrte Wohltat einer Eisenbahnreise in vollen Zügen zu genießen. Man sieht viele alte Menschen, die nie die heimatliche Scholle früher verlassen haben, noch mit der Eisenbahn fahren. Der Personenverkehr ist über alle Maßen lebhaft und die Züge sind immer voll besetzt.
Der Güterverkehr, von dem die Rentabilität der Bahn abhängig ist, ist noch etwas bescheiden, wird sich aber nach der Teufung des Schachtes Ransbach ändern. Jedenfalls, es geht aufwärts."

Bis Ende 1912 wurden 120.500 Personen befördert und 20.480 t Güter. Die Einnahmen betrugen im Personenverkehr 14.583 Mark, im Güterverkehr 7.933 Mark - zusammen 22.516 Mark. Nach Abzug von 15.364 Mark Ausgaben verblieb ein Gewinn von 7.151 Mark.
Die stetige Aufwärtsentwicklung setzte sich auch im Jahre 1913 fort, in dem 234.322 Personen und 71.909 Tonnen Güter befördert wurden.
Als der 1. Weltkrieg 1914 begann, wurden im Julimonat 15.244 Personen gezählt. Trotz kriegsbedingter Schwierigkeiten, Verringerung des Personalbestandes, Materialmangel und Preissteigerungen blieb die Beförderungszahl im Personenverkehr konstant, im Güterverkehr schwankte die Tonnagenzahl. Bemühungen, für die eingezogenen Bahnbediensteten weibliche Arbeitskräfte einzustellen, waren erfolglos: "Es hat sich nicht eine Person gemeldet". Zeitweise war nur eine Lok besetzt, so dass an Werktagen vor- und nachmittags nur ein Zug fuhr und der Zugverkehr an Sonn- und Feiertagen wegen Kohlenmangel größtenteils stillgelegt wurde. Trotzdem wurden im Juni 1918 13.265 Personen befördert, im Dezember 1918 sogar 20.612.

Zwischenzeitlich wurden vier neue Gleisanschlüsse für gewerbliche Unternehmen geschaffen:

1. Anschlußgleis Seilerwarenfabrik A. Gottlieb
2. Anschlußgleis Fa. Gg. Börner, Dachpappenfabrik
3. Anschlußgleis Darlenhskasse Schenklengsfeld
4. Anschlußgleis Kaligewerkschaft Heimboldshausen und Ransbach (nach Kriegsende stillgelegt)
5. Anschlußgleis Schacht Hattorf mit direktem Übergang zur Kreisbahn

Betriebsunfälle blieben nicht aus. Der erste erfolgte am 20.03.1913, als bei einem Zusammenstoß des fahrplanmäßigen Zuges 5:28 Uhr ab Heimboldshausen hinter der Haltestelle Wehrshausen mit einem Pferdefuhrwerk der Schweinehändler und Gastwirt Landsiedel aus Ransbach und sein Begleiter Adam Daube aus Schenklengsfeld tödlich verletzt wurden. Bei kleineren Unfällen in 1914 und 1915 wurden nur Fahrzeuge beschädigt und Tiere getötet. 1916 wurde ein 10-jähriger Junge aus Sorga (Johannes Borneis) vom Zug überfahren, blieb aber bis auf einige Hautabschürfungen unversehrt.

Harmlos war in den ersten Tagen der Betriebseröffnung ein kleiner Zwischenfall verursacht durch einen Metzgergesellen, der das Fenster öffnen wollte, versehentlich aber die Notbremse zog, so dass der Zug auf freier Strecke stehen blieb.

Nach dem Krieg normalisierte sich der Betrieb der Kreisbahn schnell wieder und hatte bis zum 10. Jahrestag ihres Bestehens einen erfreulichen Aufschwung zu verzeichnen. Weder der Personalbestand noch der Wagen- und Lokpark hatten sich in der Zwischenzeit wesentlich geändert - bis auf die Anschaffung einer zweisitzigen Draisine.

Quelle: Festschrift zu 75jährigen Jubiläum der Hersfelder Kreisbahn, Hersfelder-Eisenbahn-Gesellschaft, Rektor i.R. Otto Deisenroth, Verwaltungsoberrat Hans Stuckhardt.

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